Plankton Research Group · Programm in Entwicklung

As-If Science Jam

Datenkompetenz als spielerische Praxis.

Die As-If Science Jam ist ein Format-Experiment der Plankton Research Group. Wir wissen, was wir zeigen wollen. Wir wissen, welche Schwellen wir abbauen wollen. Wir wissen, auf welchem Weg wir das probieren — spielerisch, in geschütztem Rahmen, mit echten Daten. Was wir nicht wissen, ist die endgültige Form. Genau deshalb ist die Jam eine offene Format-Entwicklung.

Was wir vorhaben

Ziel 01

Sichtbar machen

Die Mikro-Techniken, mit denen aus Daten überzeugende, aber irreführende Aussagen werden — Cherry-Picking, p-Hacking, Survivorship Bias, Achsen-Wahl, Confounding, Simpson's Paradox. Nicht erklärt, sondern durchgespielt.

Ziel 02

Berührungsängste abbauen

Statistik wird gerne als Hoheitswissen behandelt — der Eindruck, dass nur „Profis" mitreden dürfen, lähmt die öffentliche Auseinandersetzung mit Zahlen. Die Jam dreht das um: jede:r darf manipulieren, jede:r darf prüfen.

Ziel 03

Spielerisch, aber ernst

Datenkompetenz wird nicht durch Vorlesungen gelernt, sondern durch eigene Erfahrung in einem geschützten Rahmen. Die Jam ist ein Spiel mit ernsten Werkzeugen — die Lernkurve liegt in der Spannung zwischen beidem.

Kern-Narrativ

Wir leben in einer Welt, die mit Modellen und Statistik argumentiert — aber kaum jemand führt datenbasierten Diskurs. Gleichzeitig herrschen zwei giftige Extreme: blinde Gläubigkeit an Zahlen und Angst vor Mathematik.

Die Jam adressiert beide. Sie pervertiert den wissenschaftlichen Prozess bewusst, um ihn zu durchschauen. So kann die Kunst der Wissenschaft zur Seite stehen und einen trockenen Prozess lebendig und zugänglich machen.

Erste Iteration · 3-Tage-Format

Dies ist eine erste konkrete Form — keine endgültige. Sie wird ein erstes Mal in Kooperation mit der Schmiede Hallein erprobt. Was dabei gelernt wird, fließt in die nächste Iteration ein.

Tag 1 · Abend

The Hypothesis

  • · Kurzer Impuls der Hosts: warum Datenkompetenz, warum spielerisch, warum „As If"
  • · Teambildung (3–5 Personen plus Mentor:in)
  • · Datensatz-Buffet: Teams browsen verfügbare Quellen
  • · Hypothesen-Session: jedes Team formuliert die absurdeste Hypothese, die es in den Daten bestätigen will
  • · Ethik-Framing: Alles was hier passiert, passiert täglich in echter Forschung. Es wird nur sichtbar gemacht.

Tag 2

The Forge

  • · Teams arbeiten mit R, Python, AI-Tools an der „Bestätigung"
  • · Templates als Einstieg — niemand starrt auf eine leere Konsole
  • · Mentor:innen steuern aktiv gegen Skill-Gefälle
  • · Mentor:innen markieren laufend: „Das heißt p-Hacking." „Das ist Survivorship Bias."
  • · Nachmittag: Übergang in Poster-Erstellung. Wie verkaufen wir die absurde These möglichst überzeugend?

Tag 3

Offensio / Defensio

  • · Poster-Session als zentrales Abschlussformat
  • · Offensio: Andere Teams (und Hosts) versuchen, Schwächen aufzudecken — Welche Daten wurden weggelassen? Welche Achsen manipuliert?
  • · Defensio: Das Team verteidigt — mit Humor, aber auch Substanz
  • · Reflexionsrunde: Was davon passiert in echten Zeitungen, Studien, Policy-Papers?
  • · Schluss: Von der Perversion zurück zur Konstruktion — was ist gute datenbasierte Argumentation?

Ethik als roter Faden

Ethik existiert nicht als separate Session, sondern durchzieht den gesamten Event. Die Offensio/Defensio macht die ethische Dimension erlebbar: wenn jemand einen Trick durchschaut, wird spürbar, warum wissenschaftliche Integrität wichtig ist. Faktenchecks reagieren auf einzelne Lügen. Die Jam impft gegen das Lügen-Verfahren.

Format-Entwicklung · offene Fragen

Das beschriebene Format ist eine erste Annäherung. Aus jeder Iteration wollen wir lernen und das Format weiterentwickeln. Wesentliche Entwicklungsfragen:

Zielgruppen
Erste Iteration: Schmiede-Publikum — Kreative, Maker:innen, Wissenschaftler:innen. Spätere Iterationen: Oberstufenschüler:innen, Studierende (besonders Nicht-MINT-Fächer), interessierte Bürger:innen. Welche Formatadaptionen brauchen welche Gruppen?
Dauer
3 Tage in der Schmiede oder kompaktere 1- bis 2-Tage-Varianten für Schul- und Hochschulkontexte? Welche Lerntiefe geht bei welcher Länge verloren?
Setting
Festival, Schulklasse, Hochschulseminar, Bibliothek, Bürgerwerkstatt. Welche Rahmen verstärken den spielerischen Zugang, welche untergraben ihn?
Datensätze
Die größte Herausforderung. Es braucht eine kuratierte Sammlung mit „Absurditäts-Potenzial" — Datensätze, die thematisch weit auseinanderliegen, aber zeitlich/räumlich überlappen. Diese Sammlung wird Teil unserer Open-Data-Säule.
Mentor-Pool
Bei 5 Teams à 4 Personen bräuchte es 5 Mentor:innen mit Data-Science-Grundwissen. Wer wird in welchem Setting eingebunden? Wie qualifizieren wir Mentor:innen für das spezifische „Manipulation-statt-Korrektheit"-Mindset?
AI-Tools
Expliziter Einsatz von LLMs durch die Teams zum Code-Generieren, Argumentieren, Visualisieren? Das wäre ein eigener spannender Layer: kann eine AI beim Cherry-Picking helfen? Spoiler: ja, sehr gut sogar — und das ist Teil der Lernerfahrung.

Crew · Erste Iteration

Michael Hackl

Host · Format-Architekt

Direktion Plankton Research Group. Verbindet das Spielerische mit dem Methodischen. Stellt Tooling und Templates bereit.

Methodischer Anker

Quantitative Sozialforschung

Bringt quantitative Strenge aus einer Domäne, in der statistische Aussagen direkte gesellschaftliche Folgen haben. Mentor für quantitative Fragen.

Open Science · Übersetzung

Wissenschaftskommunikation

Bringt die Frage ein, wie Wissenschaft kommuniziert wird. Brücke zwischen Labor und Galerie.

Namen der Mentor:innen werden bekannt gegeben, sobald die Zusagen für die erste Iteration vorliegen.

Mitmachen

Das Format wird nicht von uns allein gemacht. Es entsteht aus jedem Durchlauf neu.

Wenn du als Mentor:in mitarbeiten willst, ein Setting hast in dem die Jam passen könnte (Schule, Hochschule, Festival, Bibliothek), interessante öffentliche Datensätze kennst oder das Format konzeptuell mitdenken möchtest — schreib uns an office@planktonresearch.org.

Kooperation Erste Iteration: subnet & Schmiede Hallein. Kuration: Michael Hackl. Methodische Verankerung: Plankton Research Group.